09.07.2019, Stuttgart
Bundesaußenminister a.D. Joschka Fischer und weitere hochkarätige Referenten aus Forschung und Wirtschaft geben spannende Impulse rund um New Mobility

Das Bildungswerk möchte mit derartigen Veranstaltungen Unternehmen im Transformationsprozess unterstützen.

Knapp 200 Teilnehmer waren der Einladung des Bildungswerks der Baden-Württembergischen Wirtschaft gefolgt und haben an der impulsgebenden Transformationskonferenz unter dem Motto „Elektromobilität als Chance für die Automobilzulieferer“ partizipiert.

Nach einer kurzen Begrüßung und Einführung von Geschäftsführer Stefan Küpper sowie Moderator Frank Widmayer referierte Prof. Dr. Dirk Neumann der Uni Freiburg über aktuelle Trends wie autonomes Fahren oder Carsharing und deren Auswirkungen auf die Wirtschaft. Er zeigte auf, wie anhand von Daten aktuelle Problemfelder der New Mobility gelöst werden können - Zum Beispiel durch die datengetriebene Verteilung von E-Ladestationen oder die Gebietsdefinition von Sharing-Diensten nach Daten zu Points of Interests. Er illustrierte damit gleichzeitig, wie wichtig Daten für die Entwicklung von Geschäftsmodellen sind und wie sie helfen können, neue Geschäftsmodelle aufzubauen.

Was müssen wir tun, wenn die Entwicklung der Elektromobilität kommt? Dieser Frage widmete sich Dr. Werner Wilke in seinem Vortrag. Die Mobilität befinde sich aktuell in der Transformation - Weg von der Mechanik hin zur Elektrik. Dies sorge auch für eine Polarisierung am Arbeitsmarkt als Folge der Digitalisierung. In diesem Szenario würden mehr niedrig und hoch qualifizierte Arbeitnehmer benötigt und der Bedarf des Mittelfeldes abnehmen. Gerade wissenschaftliche Weiterbildungen bieten das Potenzial, dass Personen auf mittleren Qualifikationsstufen nach oben und nicht nach unten rutschen, so Wilke. Das Bildungswerk hat in diesem Bereich ein umfangreiches Weiterbildungsangebot in Kooperation mit Hochschulen entwickelt, um diesem Bedarf gerecht zu werden. 
Mehr Infos zu BIWE-CAMPUS

Peter Guse, Geschäftsführer der Bosch Start-up Plattform grow schilderte, wie Querdenken bei Bosch über seine Plattform gefördert wird: Über kleine Inseln innerhalb des Unternehmens können neue Geschäftsmodelle ausprobiert werden. Dabei sei es wichtig, die Balance zu halten zwischen dem profitablen Kerngeschäft und dem Experimentieren bei Unsicherheit in den Inseln, so Guse.

Nach der Mittagspause stellte Prof. Dr.-Ing. Hans-Christian Reuss des FKFS die Chancen und Herausforderungen durch Assistenz- und Automatisierungssysteme in der Mobilität dar. Dabei gehe es darum, Unfälle zu vermeiden, Mobilität für alle Altersgruppen zu gewährleisten, Staus einzudämmen und vor allem die Produktivität und Energieeffizienz zu steigern. Daraus ergeben sich insbesondere in den Bereichen Sensorik, Vernetzung, Hard- und Software oder Absicherung große Chancen für Zulieferbetriebe.

Hauptredner der Konferenz war Bundesaußenminister a.D. Joschka Fischer, der ein Plädoyer für die Elektromobilität hielt. „Reden Sie sich nicht ein, es geht so weiter!“ appellierte Fischer – zu groß sei Chinas Aufholjagd in moderne Technologien. Dabei sei China gleichzeitig bereits jetzt einer der wichtigsten Absatzmärkte auch für deutsche Automobilhersteller. Durch die Größe des Marktes, die enorme Entwicklungsgeschwindigkeit und Risikofreudigkeit stelle China Europa und Deutschland zunehmend unter Druck. Deutschland habe inzwischen zwei Spitzenpositionen im Weltmarkt aufgegeben: In der Elektrifizierung habe China überholt und bei der Digitalisierung sei eindeutig die USA an der Spitze. „Wo sind wir denn noch wirklich gut? Im Bereich der Nachhaltigkeit“ so Fischer. Eine zukunftsgewandte und nachhaltige Mobilität sieht er als Lösung, auch, da die Urbanisierung immer weiter zunimmt. Er plädierte dafür, die Notwendigkeiten des Klimaschutzes als große Chance und nicht als Hindernis zu sehen.

Am späten Nachmittag berichteten Dr. Stefan Wolf (ElringKlinger AG) sowie Dr. Otmar Scharrer (MAHLE GmbH) über die Herausforderungen für Automobilzulieferer durch die Transformation in ihrem Unternehmen.

Autokäufer haben einen großen Einfluss auf die Automobilindustrie, so Wolf. Dabei habe sich der Konsum vor allem in jüngster Vergangenheit verändert. „Wir müssen uns von Jahrzehnte lang manifestierten Grundsätzen lösen“ – denn neben dem Wandel der Antriebstechnik sei ein Verhalten weg vom Führerschein insbesondere von jungen Menschen im urbanen Raum zu beobachten. Die Industrie brauche aber alternative Antriebstechniken und dürfe sich weder vorschnell von bisherigen verabschieden, noch sich allein auf die Elektromobilität einschränken.

Dr. Ottmar Scharrer hielt am Ende des Tages ein Plädoyer für Technikoffenheit und zeigte wie Mahle auf Basis verschiedener Techniken sich bestmöglich auf künftige Entwicklungen vorbereitet.

Jeweils angeregte Diskussionen im Anschluss der verschiedenen Expertenimpulse wie auch der Austausch unter den Teilnehmern und Referenten in den Networking-Pausen sorgten für eine rundum informative Veranstaltung in Stuttgart.

Alle Informationen rund um das Themenfeld Transformation