29.03.2019
Unternehmensbefragung liefert neue Erkenntnisse zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) in KMU

Geht es um die Einführung eines Gesundheitsmanagement in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU), so werden häufig Zeit- und Geldmangel sowie die befürchtete Komplexität als Gründe für die Nichteinführung genannt. Eine von der Regionalgruppe Baden-Württemberg des Bundesverbandes BGM (BBGM) durchgeführte Befragung von KMU - wissenschaftlich begleitet durch die Deutsche Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement - zeigt zum Teil andere Ergebnisse auf (Basis N=54).

So bewerten nur 4% aller „nicht BGM-aktiven“ Unternehmen, die entweder BGM für die Zukunft schon fest einplanen oder die grundsätzlich nicht beabsichtigen, BGM einzuführen, fehlendes Budget als Hindernisgrund. Stattdessen werden als Hauptbarriere einer BGM-Einführung keine ausreichende Notwendigkeit und der oft nicht klare Nutzen eines BGM gesehen. Dieses Ergebnis ist umso bemerkenswerter, da seit Jahren unterschiedliche Institutionen gezielt Öffentlichkeitsarbeit zu dieser Thematik betreiben.

Des Weiteren überraschend - in positiver Hinsicht - ist die hohe Umsetzungshäufigkeit der gesetzlich geforderten Gefährdungsbeurteilung, die bislang als eher nicht bzw. nur unzureichend umgesetzt galt. So gaben 66% der Umfrageteilnehmer an, ihrer arbeitsschutzrechtlichen Pflicht nachgekommen zu sein (Platz 1 der Maßnahmen). 43% der befragten KMU haben dabei auch die psychischen Gefährdungsfaktoren bewertet.

Schlüssig in diesem Kontext ist, dass bei der inhaltlichen Gestaltung des BGMs auch primär die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen im Arbeitsschutz eine Rolle spielt (63%), während nur eine Minderheit (14%) der befragten KMU die Qualifizierung von Führungskräften angegangen ist. Platz 2 der umgesetzten Maßnahmen belegen mit jeweils 53% die Überprüfung und Optimierung der Arbeitsbedingungen sowie die Durchführung von Rückkehrgesprächen. Die Gründe für mangelnde Leistungsfähigkeit und krankheitsbedingte Fehlzeiten werden primär auf Seiten der Beschäftigten gesehen, und gelten als nicht nur arbeitsbedingt verursacht. In Bezug auf die externe Unterstützung ist nur ca. jedem fünften kleinen Unternehmen der gesetzliche Präventionsauftrag der Krankenkassen bekannt, bei den mittleren und größeren sind es bereits jedes zweite.

Bestätigt haben sich die Erkenntnisse anderer Befragungen dahingehend, dass fehlende personelle (61%) und finanzielle Ressourcen (52%) zwar keine Gründe gegen eine Einführung sind, dennoch aber als beachtliche Hürden im Zuge der tatsächlichen Realisierung eines BGM gelten. Als weitere Hemmnisse werden die mangelnde Motivation der Beschäftigten (46%), das mangelnde Wissen zur Thematik im Betrieb, aber auch zu externen Unterstützungsmöglichkeiten (Kassen oder Dienstleister) genannt. Die TOP 3 Anforderungen an ein BGM aus Sicht der Studienteilnehmer: „Es müssen viele in der Belegschaft erreicht werden“ (Platz 1), „BGM muss begeistern“(Platz 2), „nachhaltig und pragmatisch sein“ sowie „bedarfsorientiert und einen klaren Nutzen für das Unternehmen haben“ (alle auf Platz 3).

Fazit: Die an der Befragung teilnehmenden KMU sind bereits gut im Bereich des Arbeitsschutzes aufgestellt. Budgetaspekte sind kein grundsätzlicher Hinderungsgrund, können jedoch während der Umsetzung eine große Hürde darstellen. Es herrscht häufig noch Unklarheit was den Nutzen eines BGMs und die mögliche Unterstützung durch Dienstleister und Kassen angeht. Nicht nur für den BBGM, sondern auch für Krankenkassen, Berufsgenossenschaften, Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern und die Arbeitgeberverbände gilt es, weiter an der Aufklärung und Sensibilisierung zur Thematik zu arbeiten und KMU bei der Einführung eines BGM maßgeschneidert und gezielt zu unterstützen.

Die vollständigen Ergebnisse der Befragung sowie Empfehlungen für die erfolgreiche Gestaltung eines effektiven und einfach umzusetzenden BGM in KMU stellt der BBGM auf der Corporate Health Convention am 09. April 2019 in Stuttgart vor. Zeitgleich stehen auch die Ergebnisse der Befragung auf der BBGM-Webseite zum Download zur Verfügung.

 

Die BBGM-Regionalgruppe Baden-Württemberg wurde vom Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e. V. ins Leben gerufen.
Ihre Ansprechpartner sind:

  • Julius Scheer, Bildungswerk der Baden-Württembergischen Wirtschaft e.V., Leiter der BBGM-Regionalgruppe Baden-Württemberg, Mitglied im BBGM
  • Jonas Böhme, Konzeption Produktentwicklung/ Vertrieb – corvolution GmbH, Mitglied im BBGM
  • Markus Eckstein, eckco3 – Consulting. Coaching. Corporate Health, Mitglied im BBGM
  • David Neumann, Lead Business Analyst, Capgemini Deutschland GmbH, Mitglied im BBGM
  • Michael Schurr, Geschäftsführer – Institut für Systemergonomie und Gesundheit, Mitglied im BBGM
  • Sylvia Broschk, Masterstudentin an der Universität Bielefeld, Mitglied im BBGM
  • Oliver Walle, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des BBGM, Dozent an der DHfPG und verantwortlich für die wissenschaftliche Begleitung der Studie
  • Sabrina Moosmann, Masterstudentin an der DHfPG, Auswertung der KMU-Befragung

 

Download Vortrag BBGM: Neue Erkenntnisse zum Betrieblichen Gesundheitsmanagement